Islands Nordlichter fotografieren

by Anni & Wladi
Islands Nordlichter fotografieren

Die Nordlichter (Polarlichter) sind eines der faszinierendsten Naturschauspiele und stehen auf nahezu jeder Bucket List. Fast jeder möchte die über den Nachthimmel tanzenden, bunten Lichter irgendwann im Leben mal live gesehen haben. Und genau dies war ursprünglich auch unser Anstoß die rauhe Insel im arktischen Meer im Winter zu besuchen. Auf Island hat man in den dunklen Monaten des Jahres, zwischen Oktober und März, die höchsten Chancen die Aurora borealis, also die Nordlichter, bestaunen zu können.

Nordlichter auf Island

Nordlichter auf Island

Wir haben schon einige Wochen vor unserer Reise über die Aurora Forecast App den Verlauf der Polarlichter verfolgt. Gerade wenn man auf eigene Faust den bunten Lichtern hinterherjagen möchte empfiehlt es sich vorher einen Blick in die Vorhersage der App zu werfen um zielgerichtet Orte mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für das Erscheinen der Lichter ausfindig zu machen. Denn ganz so einfach ist es nicht auch erfolgreich zu sein auf der Lichtersuche.

Islands Nordlichter – Ein Zusammenspiel zwischen Mensch, Natur und Technik

Zunächst muss das Wetter mitspielen. Ist es stark bewölkt, regnet oder schneit es sogar, wird man kein Glück haben. Natürlich sollte der Ort, an dem man die Lichter sehen möchte auch möglichst dunkel sein. Sollte es nun zumindest teilweise klar sein, müssen die Lichter an dem vorhergesagten Ort auch sichtbar sein. Hier muss man gegebenenfalls ein paar Stunden Wartezeit einplanen und definitiv vorher Orte mit der höchsten Wahrscheinlichkeit in der App checken oder bei lokalen Touristeninformationen die Vorhersagen erfragen.

Fügen sich nun alle Variablen von oben zusammen, stellt sich spätestens jetzt die Frage: Und wie halte ich diese magischen Momente fest? Denn einfach das iPhone zücken und drauf halten funktioniert leider nicht besonders gut. Besser gesagt: Die Bilder die man im Kopf hat wird man so nicht aufnehmen können. Für das perfekte Foto, was wirklich nicht einfach zu bekommen ist, braucht es neben Glück und Geduld auch eine gewisse Vorbereitung und das entsprechende Equipment.

Nordlichter auf Island

Nordlichter auf Island

Vorsprung durch Technik

Beim Fotografieren der Polarlichter kommt es primär auf das Objektiv und das richtige Zusammenspiel der folgenden Kamera-Einstellungen an: Blende, Belichtungszeit und Fokus. Die Kamera sollte in einem manuellen Modus bedienbar sein, in dem ihr diese Einstellungen alle unabhängig voneinander modifizieren könnt. Da lange Verschlusszeiten zwischen 5 und 30 Sekunden benötigt werden können, empfehlen wir dringend ein Stativ mitzunehmen um scharfe Bilder zu erhalten. Auch sollte die Kamera eine Selbstauslöser-Funktion haben. So erspart man sich den unschönen „Wackler“ am Anfang, wenn man auf den Auslöser drückt. Wir empfehlen die Bilder im RAW-Format aufzunehmen. Die Dateien werden zwar wahnsinnig groß, aber bei der späteren Nachbearbeitung ist man flexibler und erhält schönere Ergebnisse.

Wie man sieht, ist das Bild nicht ganz scharf. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie empfindlich die Kamera ist bei diesen Bedingungen. An dieser Stelle hat der Wind so gepeitscht, dass es leider unmöglich war scharfe Bilder zu bekommen.

Wie man sieht, ist das Bild nicht ganz scharf. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie empfindlich die Kamera ist bei diesen Bedingungen. An dieser Stelle hat der Wind so gepeitscht, dass es leider unmöglich war scharfe Bilder zu bekommen.

Hier die ganzen Informationen nochmal komprimiert und ergänzt um das Equipment und die Einstellungen die wir genutzt haben um die gezeigten Bilder zu erhalten. Allerdings muss an dieser Stelle noch erwähnt sein, dass die Bilder für den Blog im jpeg-Format exportiert wurden und an Qualität einbüßen mussten:

Equipment:
  • Kamera mit manuellem Modus. Wir haben eine Sony Alpha 6000 genutzt.
  • Weitwinkel-Objektiv, bei dem man den Fokus auf ∞ (unendlich) setzen kann. Wir haben das Ultra-Weitwinkel-Objektiv Samyang AF 12mm F2.0 E für die Sony Alpha gekauft. Ein tolles, qualitativ-hochwertiges Objektiv aus Süd-Korea mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Stativ. Wir haben das Rollei C5i Stativ. Es ist leicht aber trotzdem stabil und so der perfekte Begleiter auf Reisen.
  • Speicherkarte mit ausreichend Platz. RAW Dateien benötigen viel Speicherplatz. Ein Bild im RAW-Format hat ca. 25 MB
  • Ersatz-Akkus: Es wird kalt sein. Das zehrt am Akku und kann dazu führen, dass dieser sich schneller entlädt.

Hier konkret die Kamera-Einstellungen die wir verwendet haben:

  • Bild-Format: RAW. JPEG geht auch, nimmt jedoch die Bearbeitungsmöglichkeiten.
  • Blende: f2.0 / Festbrennweite 12mm. Hier gilt, die Blende so weit offen zu haben wie möglich (d.h. einen kleinen f-Wert).
  • Fokus: Manuell auf ∞ setzen
  • ISO: So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig in Abhängigkeit von Blende und Verschlusszeit. Bei zu hohen ISO Werten werden die Bilder grob-körnig. In unserem Fall: bei 2-15 Sekunden Verschlusszeit, nutzten wir ISO 800-3200.
  • Verschlusszeit: Hier kommt es stark auf die Bewegungen der Polarlichter und die „Lichtverschmutzung“ in der Umgebung an. In unserem Setting haben wir zwischen 5 und 10 Sekunden belichtet.
  • Und das Wichtigste: KEIN BLITZ!
Am Ende: Probieren über Studieren

Nehmt euch Zeit und probiert an den oben gezeigten „Schräubchen“ zu drehen. Es gibt nicht DIE Einstellung, die euch das perfekte Bild herzaubern wird, da die natürlichen Einflüsse für immer andere Umgebungsvoraussetzungen sorgen werden. Aber es lohnt sich so sehr! Wir verbrachten in der ersten Januarwoche, ca. 2 Stunden im eisigen Wind und waren schlicht Beeindruckt von diesem Naturspektakel. Für uns wird diese Januar-Nacht unvergesslich bleiben.

Vergesst nur neben dem technischen Equipment nicht, euch ganz warm mit Mütze, Schal und Handschuhen einzupacken, und vielleicht auch ein heißes Getränk mitzunehmen.

Island bietet neben den Polarlichtern noch eine Vielzahl an weiteren Naturspektakeln und ist auch kulinarisch ein Volltreffer. Lest hier, was ihr nicht verpassen dürft.

Nordlichter auf Island

Nordlichter auf Island

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