Wernigerode

Wernigerode (Harz) – Die kalte Schulter des Winters

Angestachelt durch unsere Island-Reise und die richtige Ausrüstung noch quasi griffbereit ging es spontan übers Wochenende in die schöne Stadt Wernigerode und auf den Brocken. Der Harz in Mitteldeutschland war somit unser Ziel, welches wir noch von unserer Deutschlandreise offen hatten.

Hotel Erbprinzenpalais
Hotel Erbprinzenpalais

Unsere Ankunft erfolgte am Freitagabend im Hotel Erbprinzenpalais. Das Hotel lag für uns strategisch optimal zwischen dem Schloss Wernigerode und dem Stadtzentrum. Das Hotel überzeugte uns mit seinem klassischen Stil und dem Altbaucharme. Gerade der Frühstücksraum mit seinen hohen Decken und den Holzdielen beeindruckte uns. Dieses denkmalgeschützte Hotel können wir daher nur wärmstens empfehlen.

Harzer Schmalspurbahnen
Harzer Schmalspurbahnen

Am Samstag ging es dann früh raus zu einem ereignisreichen Erkundungstag. Unser erstes Ziel war der Hauptbahnhof. Wir verließen Wernigerode nämlich zunächst, um uns auf den Weg zum Brocken zu machen. Mit seinen über 1.000 m Höhe ist er der höchste Berg Norddeutschlands und volkstümlich auch als Blocksberg bekannt. Normalerweise würden wir diese Höhenmeter selbstverständlich zu Fuß meistern (wie beim nahezu gleich hohen Tafelberg in Kapstadt bereits bewiesen). Wir entschlossen uns aber für die Bahn.

Brocken
Brocken
Wo die Hexen toben

Denn bereits der Weg rauf zum Brocken mit den Harzer Schmalspurbahnen ist eine Sehenswürdigkeit und ein Erlebnis. Vom Hauptbahnhof Wernigerode geht es zunächst mit der Harzquerbahn nach Drei Annen Hohne. Von dort aus ist man dann in knapp einer Stunde mit der Brockenbahn auf dem Gipfel. Mit 700 PS treiben die Dampfloks die Wagons mit den Passagieren den Berg hoch. Ein tolles Panorama und ein malerisches Vergnügen bereitete diese Fahrt.

Brocken
Brocken

Oben auf dem Brocken angekommen erwartete uns eine märchenhafte Winterlandschaft. Dem tobenden Wintersturm trotzend verschafften wir uns einen Überblick und durchschritten den Brockenrundweg. Aufgrund des Wetters war die Aussicht sehr eingeschränkt und erinnerte uns an unseren Besuch des Königstuhls bei Heidelberg. So konnten wir uns aber um unseren Überlebenskampf kümmern und wurden nicht abgelenkt. Das Schnee-/ Hagelgemisch sorgte in Kombination mit dem Wind für ein schönes natürliches Peeling.

Krellsche Schmiede
Krellsche Schmiede

Selbstverständlich durfte ein Erinnerungsfoto vor dem Brockenfels in der Mitte der Anlage nicht fehlen. Wir fühlten uns so, als ob wie gerade den Mount Everest bestiegen hätten. Zumindest vermitteln die Bilder diesen Eindruck. Völlig durchnässt und am Ende mit den Kräften verzogen wir uns ins Warme und Trockene. Der Touristensaal lädt mit seinem Kantinenflair ein sich zu stärken. Beste deutsche Imbissküche und den ein oder anderen Schnaps dazu, und schon sieht die Welt wieder besser aus. Erschöpft, aber glücklich und gestärkt, nahmen wir die Rückfahrt auf.

Krummelschen Haus
Krummelschen Haus
Voll fett die Breite Straße

Zurück in Wernigerode spazierten wir durch die Altstadt und nahmen die ein oder andere sehenswerte Station mit. So zunächst einmal die Krellsche Schmiede (anno 1678). Das Besondere an der Schmiede ist, dass sie noch in Betrieb ist und somit als die älteste, noch in Betrieb befindliche Schmiede Deutschlands bezeichnet wird. Darüberhinaus werden hier auch Schmiedekurse angeboten. Auf jeden Fall eine tolle Sache. Nicht nur aufgrund der Seltenheit, sondern vor allem aus historischer Sicht.

Breite Straße
Breite Straße

Weiter entlang der Breiten Straße gelangt man schnell zum Krummelschen Haus. Dieses denkmalgeschützte Haus wurde 1674 errichtet. Bekannt ist das Gebäude aufgrund seiner reich und aufwendig verzierten Fassade. In seiner Grundform ein barockes Fachwerkhaus, ist es durch die Holzreliefs nicht als solches zu erkennen. Heute dient dieses Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus mit Gastronomie.

Rathaus Wernigerode
Rathaus Wernigerode

Weiter westwärts gelangten wir zum Marktplatz von Wernigerode. Der Marktplatz tut was er tut. Er liegt nämlich zentral und verfügt über viele historisch wertvolle Bauten. Ein Traum für jeden Fachwerk-Fetischist. Ferner findet sich der Wohltäterbrunnen mitten auf dem Markplatz. Der Brunnen ist kunstvoll gestaltet und wurde im 19. Jahrhundert als Dank an die Förderer der Stadt errichtet.

Museum Schiefes Haus
Museum Schiefes Haus
Ein Haus, ein Haus, ein Fachwerkhaus

So schön der Marktplatz bereits für sich genommen ist, überstrahlt das Rathaus alles in der Stadt befindliche. Mit seiner burgähnlichen Gestaltung und den Zwillingstürmen, der Kuppel, dem Fachwerk sowie der Uhr ist diesem Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert zu Recht das Wahrzeichen der Stadt Wernigerode.

Kleinste Haus
Kleinste Haus

Verglichen mit dem Rathaus wirkt das Museum Schiefes Haus wie der missgestaltete Cousin des Rathauses. Nichtsdestotrotz ist ein Besuch lohnenswert. Für einen Euro erhält der Besucher wissenswertes zur Stadt und den Grund für die Schiefstellung. Wer braucht schon den Schiefen Turm von Pisa, wenn es das Schiefe Haus von Wernigerode gibt?!

Brauhaus Wernigerode
Brauhaus Wernigerode

Nach dem schiefsten Hause fehlte uns noch das Kleinste Haus auf unserer Erkundungsliste. Heute wird es als volkskundliches Museum genutzt. Die Breite des Hauses beträgt knapp 3 Meter. Die Eingangstür ist 1,70 m hoch und die Deckenhöhe überschreitet 1,90 m nicht. Zur Hochsaison soll die Personenanzahl im Haus einer Fußballmannschaft entsprochen haben (ohne Reservespieler). Micro Living established somit bereits 1792 in Wernigerode.

Schloss Wernigerode
Schloss Wernigerode
Ein Halt in Sachen-Anhalt

Den Tag ließen wir dann gemütlich im Brauhaus Wernigerode ausklingen. Selbstverständlich durfte hier der Harzer Käse als Vorspeise nicht fehlen. Ebenso das Brauhaus hell als feinherbe Erfrischung. Die Speisekarte bot eine Auswahl deftiger Speisen und das rustikale Ambiente trug zum positiven Gesamtpaket bei. Ein gelungener Abschluss des Tages war realisiert.

Wernigerode
Wernigerode

Am Abreisetag nutzten wir noch das gute Wetter und spazierten zum Schloss Wernigerode auf einer Anhöhe über der Stadt. Ein toller Blick und ein netter Rundgang waren oben möglich. Den Eintritt ins Schlossinnere sparten wir uns an dieser Stelle und machten auf dem Weg zum Auto noch einen Schlenker am Lustgarten vorbei. Man merkte der Natur das Erwachen aus dem Winterschlaf und den anstehenden Frühling an. Anscheinend hatte uns der Winter nochmals seine wahrlich kalte Schulter gezeigt, bevor nun das Dekolleté des Frühlings kommen sollte.

Habt ihr Fragen oder Anregungen oder haben wir gar eine wichtige Sehenswürdigkeit verpasst? Dann schreibt uns doch einfach oder kommentiert.

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